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Kassandra Zyklus

in Gorzów Wielkopolski, Polen

10. Oktober – 28. November 2026
Samstag, 10. Oktober ab 18 Uhr – Vernissage mit Lesung & Konzert
Samstag, 28. November – Finissage

Zbigniew Herbert Stadtbibliothek
Sikorski 107, Gorzów Wielkopolski

Die Körper, in die der Krieg hinein strömt
160 x 100 cm, Mischtechnik auf Leinwand, 2024

»Mitten im Krieg denkt man nur, wie er enden wird. Und schiebt das Leben auf. Wenn viele das tun, entsteht in uns der leere Raum, in den der Krieg hineinströmt.«

Ich folge der Spur Kassandras seit dem Frühjahr 2024. Zwölf großformatige Bilder sind seitdem in der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem packend aktuellen Werk entstanden.

Idaberg

»Wenn ich die Augen schließe, sehe ich die Bilder. Den Idaberg in wechselnder Beleuchtung. […] Das war uns die Welt, schöner kann keine Landschaft sein. […] Und unser ungebundnes Dasein, eine neue Freude jeder neue Tag. Bis hierher reichte die Zitadelle nicht. Sie konnten nicht zugleich den Feind und uns bekämpfen. […] Wir lebten selber arm. Wir sangen viel, kann ich mich erinnern. Redeten viel, abends am Feuer in Arisbes Höhle […] Wir hörten nicht auf, zu lernen. […] Es wurde daraus ein Berührungsfest, bei dem wir, wie von selbst, die andere, die anderen berührten und kennenlernten. Wir waren gebrechlich. Da unsre Zeit begrenzt war, konnten wir sie nicht vergeuden mit Nebensachen. Also gingen wir, spielerisch, als wär uns alle Zeit der Welt gegeben, auf die Hauptsache zu, auf uns.«

Idaberg
160 x 100 cm, Mischtechnik auf Leinwand, 2024

Was heißt es, in Zeiten von Fremd-Machung, Zuspitzung von Sprache als Waffe und realer Militarisierung des Alltags ein menschliches Bewusstsein zu erhalten, «Zeugin zu bleiben»? Kassandra „[…] ‚sieht’ die Zukunft, weil sie den Mut hat, die wirklichen Verhältnisse der Gegenwart zu sehen“, schreibt Christa Wolf in ihren Voraussetzungen einer Erzählung.

Trotz erniedrigender und schmerzhafter Rückschläge sucht sie diese Bewußtheit auf mehreren Ebenen: bei sich selbst und in den Verstrickungen und Tragödien ihrer geliebten (Königs)Familie. Sie ringt um sie unter den vertrauten, aber im blinden Hass auf die Griechen aufgepeitschten Eignen in Troja. Sie erleidet sie schließlich in der unbeschreiblichen Gewalt des Krieges – je nach Belieben von dieser oder jenen Seite zum Heldentum verklärt.
Jeder ihrer Kämpfe ist auch ein Kampf um ihre Rolle als Frau, für die in der Vorkriegsgesellschaft kein selbstbestimmter Ort vorgesehen ist.

Vorkrieg
120 x 60 cm, Mischtechnik auf Leinwand

Vorkrieg

»Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg. Falls es da Regeln gäbe, müßte man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da. Da stünde, unter andern Sätzen: Laßt euch nicht von den Eignen täuschen.«

Der Feigenbaum
120 x 265 cm, Mischtechnik auf Leinwand, 2024

Der Feigenbaum

»Bei [Anchises], unter dem wechselnden Laub des mächtigen Feigenbaumes, hat unser ungezwungenes Leben angefangen, mitten im Krieg, ganz schutzlos, inmitten der immer noch anwachsenden Schar bis über den Kopf Bewaffneter.«

Helden

»Diese armen Sieger müssen für alle, die sie getötet haben, weiterleben.
Ich sage ihnen: Wenn ihr aufhörn könnt zu siegen, wird diese eure Stadt bestehn.«

Helden
160 x 100 cm, Mischtechnik auf Leinwand, 2024